#INQAAuditOnTour

Eine gute Unternehmenskultur führt zu unternehmerischem Erfolg

Nicola Peschke, Pia Heilig und Karsten Odemann, Fotografin Julia Stockinger (v.l.n.r.)

Mein zweiter Besuch mit #INQAAuditOnTour führt mich zu der Adler Modemärkte AG nach Haibach. Nach dem gelungenen Auftakt in der letzten Woche beim DRK Euskirchen mache ich mir auf dem Weg ins Unterfränkische Gedanken, wie wohl dieses Gespräch mit Finanzchef Karsten Odemann (CFO) und Pia Heilig, Abteilungsleiterin Prozessorganisation und verantwortliche Lenkerin beim INQA-Audit, wird. Andere Branche, andere Herausforderungen, andere Rahmenbedingungen, andere Menschen.

In der Zentrale angekommen wird das sofort deutlich. Karsten Odemann redet nicht lange herum und schildert die angespannte Lage in der Textilbranche: „Wir bewegen uns in einem Markt, der seit Jahren rückläufig ist. Das Filialgeschäft der textilen Einzelhändler verzeichnet sukzessive einen Rückgang der Besucherzahlen. Hinzu kommt der Wettbewerbsdruck durch das Onlinebusiness.“ Die Situation bei Adler selbst sah noch 2016 nicht minder kritisch aus. Das Unternehmen stand vor einem einschneidenden Restrukturierungsprozess: Veränderungen im Vorstand, eine Verringerung der Belegschaft sowie die Streichung von Urlaubsgeld kündigten sich an.

In dieser Zeit hat ein externer Berater, „ein echter Kostenfuchs und Sanierer“, wie Karsten Odemann sagt, das Audit „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ ins Spiel gebracht. Die Restrukturierung sei unumgänglich gewesen, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern. Schon damals war Adler überzeugt, dass Unternehmenskultur und wirtschaftlicher Erfolg nicht voneinander zu trennen sind. „Gerade in solch unsicheren Zeiten geht es um die Motivation der Belegschaft“, meint Odemann und wollte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein eindeutiges Signal geben: „Wir wollten den Erhalt der verbleibenden rund 3.800 Arbeitsplätze sichern und ein vernünftiges, attraktives Arbeitsumfeld schaffen. Der mitarbeiterorientierte Ansatz des Audits schien uns genau die richtige Ergänzung dafür zu sein“, erläutert Karsten Odemann.

Bei der Umsetzung hat die Prozessbegleiterin Wencke Schwarz geholfen. „Sie hat mit sicherem Blick von außen die richtigen Anstöße gegeben und uns so unseren Zielen nähergebracht“, ergänzt Pia Heilig.

Die Zeit der Patriarchen ist vorbei

 „Trotz der schwierigen Rahmenbedingung waren wir positiv überrascht über die Anzahl der Mitarbeiter, die sich an der Befragung beteiligt haben“, steigt Pia Heilig in das Gespräch ein. Aus ihrer Sicht war der größte Erfolg des INQA-Audits, dass Adler seine Belegschaft besser kennen gelernt hat. Die Verantwortlichen wissen nun, was den Kolleginnen und Kolleginnen in der Zentrale und in den 182 Standorten in vier Ländern fehlt, was sie brauchen. Von besonderer Bedeutung waren die Antworten im Freitext. Sie haben ganz konkrete Hinweise auf Schwachstellen im Unternehmen aufgedeckt.

Pia Heilig, Adler Modemärkte AG


Was waren die wesentlichen Knackpunkte, die durch das INQA-Audit an die Oberfläche gekommen sind, frage ich meine beiden Gesprächspartner. Pia Heilig berichtet: „Wir konnten erkennen, dass uns eine Vision fehlt. Es wurde außerdem sehr deutlich, dass wir Probleme mit unseren Führungsgrundsätzen haben, die seit 2008 existieren, aber trotz vieler Veränderungen im Unternehmen nicht aktualisiert wurden. Auch sind die Themen Wissenstransfer und -erhalt wesentliche Punkte, die durch die Befragungsergebnisse aufgedeckt wurden. Wir arbeiten in allen Bereichen an Lösungen, die teilweise auch bereits umgesetzt sind.“

Die klaren Befragungsergebnisse und die gute Methodik waren Anlass für den Vorstand, einen Strategieprozess auf Managementebene eng mit dem INQA-Audit zu verzahnen. Dabei wurden bei Adler die großen richtungsweisenden Themen Mission, Vision und Strategie von Vorstand und oberster Managementebene aufgesetzt. Die beiden Projekte wurden in einem weiteren Schritt über die Führungsgrundsätze verzahnt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen ist der Erfolgsfaktor für die Zukunft, davon ist Karsten Odemann überzeugt. „Die Zeit der Patriarchen ist vorbei. So können Sie keine mündigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr halten, die sich für eine Aufgabe, für ein Ziel einsetzen und dafür auch mal mehr Zeit im Unternehmen verbringen, als sie nach 35 – 40 Stunden müssten“, sagt Odemann. „Durch das Audit haben wir erkannt, wo wir ausbaufähige Potentiale haben, wo wir Maßnahmen ergreifen müssen, um uns zukunftsfähig aufzustellen“, fügt Pia Heilig hinzu.

Pia Heilig und Karsten Odemann bringen beide eine weitere Herausforderung zur Sprache, die sich durch das Audit ganz deutlich gezeigt hat: „Wir haben einen hohen Anteil an Kolleginnen und Kollegen, die bereits eine lange Zeit im Unternehmen sind und die besseren Zeiten nachhängen“, schildert Karsten Odemann. „Wir müssen ihnen vermitteln, dass es angesichts der extrem geänderten Rahmenbedingungen einen radikalen Wandel geben muss, um weiterhin dauerhaft am Markt erfolgreich zu sein. Durch das INQA-Audit haben wir gesehen, dass die Kommunikation in die Belegschaft nicht so funktionierte, wie wir es uns wünschen. Wir kommunizieren jetzt offener und transparenter, das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit“, sagt Odemann weiter. „Die Strukturen dafür haben wir nun etablieren können“, sind sich Heilig und Odemann einig.

Update für das Ausbildungsprogramm: mehr IT, Marketing und Design

Vor dem Hintergrund der starken Veränderungen in Unternehmen und Arbeitswelt, hat Adler auch sein Ausbildungsprogramm auf den Prüfstand gestellt. Das WAS und das WIE wurden dabei unter die Lupe genommen. „Nur weil wir jahrelang bestimmte Berufe ausbilden, heißt das noch lange nicht, dass das immer noch richtig ist“, sagt Pia Heilig dazu. Ergebnis dieser Überprüfung ist, dass Adler nun zusätzlich die Berufe Marketingkauffrau/-mann und Großhandelskauffrau/-mann ausbildet. Die IT-Abteilung macht sich derzeit Gedanken, ob Adler ein duales Studium anbieten will. Damit ergänzt das Unternehmen die Ausbildung Systemkauffrau/-mann auf einer anderen Ebene.

Das Ausbildungsprogramm existiert seit 20 Jahren und es stand die Frage im Raum, ob Form und Inhalte noch dem Bedarf des Unternehmens entsprechen, ob es noch zeitgemäß ist. Der Ausbildungsrahmenplan sei unantastbar, weil dieser in der Ausbildungsordnung verankert und somit Bestandteil des Berufsbildungsgesetzes ist. Geändert wurde der Durchlaufplan, also der innerbetriebliche Einsatz der Auszubildenden in den verschiedenen Abteilungen. „Wir haben den Aufenthalt in Abteilungen mit sehr klaren Prozessen verkürzt und dafür den in Abteilungen mit höherem Detailgrad erhöht, zum Beispiel in der IT, im Marketing oder im Design. So lernen unsere Azubis mehr und sind nun auch in neuen Abteilungen, wie dem Onlinebereich“, fasst Pia Heilig das Ergebnis zusammen.

Zum Abschluss des Gesprächs wünsche ich mir ein kurzes Fazit, ob das Audit „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ nachhaltige Wirkung hinterlässt. Pia Heilig und Karsten Odemann schauen sich an, und Pia Heilig gibt dann folgende Antwort: „Das Audit hat uns durch die Befragung, die Projektgruppe, die faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und unserer Prozessbegleiterin einen wahnsinnigen Push gegeben. Damit hätte ich zu Beginn nicht gerechnet. Der Prozess ist nicht zu Ende, das Audit hinterlässt tragfähige Strukturen, Methoden und Erkenntnisse, mit denen wir weiter an unserer Zukunftsfähigkeit arbeiten.“

Das war Station zwei von #INQAAuditOnTour. Ich bedanke mich für den sehr spannenden und offenen Austausch. Das nächste Gespräch findet bei der Aareon AG in Mainz, statt. Ich freue mich drauf.

#INQAAuditOnTour
#INQAAuditOnTour hat sich auf den Weg gemacht, um mit Unternehmen und Verwaltungen über Motivationen, Herausforderungen, Erfolge, Wirksamkeit und Nachhaltigkeit in ihrem Change Prozess zu sprechen. Alle Organisationen haben das Audit „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ erfolgreich durchlaufen. Was hat es bewirkt, was bleibt?

Über Nicola Peschke
Nicola Peschke hat das Audit „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ von 2012 bis heute im Pilotbetrieb unter Leitung der Bertelsmann Stiftung koordiniert und inhaltlich mitentwickelt. Twitter: @NicolaPeschke.

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